Der Expeditionsmaler

Der Expeditionsmaler - Carsten Westphal

 

Als alter Freund von Achill und Aaron war ich sofort Feuer und Flamme, als mich die Beiden fragten, ob ich Lust hätte, sie auf ihrer Reise zum Kilimandscharo nach Tansania zu begleiten. Meine Aufgabe sollte es sein, als Expeditionsmaler Beobachtungen zu machen, Skizzen, Zeichnungen und Aquarelle anzufertigen und Dinge und Begebenheiten zu notieren oder in anderer Form zu Papier zu bringen, die meine Aufmerksamkeit erregten. Es sollte eine Dokumentation der Reise entstehen, aus Sicht eines Künstlers.

Da ich normalerweise in den Wüsten dieser Erde unterwegs bin, um den Zauber dieser Urlandschaften in Form von Farben, Wüstenmaterial, wie z.B. Sand, direkt vor Ort auf die Leinwand zu bannen, mich also in Landschaften begebe, wo alles Überflüssige hinweggenommen wurde, war ich etwas verunsichert, wie ich mich beim Porträtzeichnen zum Beispiel eines Löwen im Ngorongorokrater verhalten sollte, denn bis jetzt hatte ich ja nur mit Kamelen, Schlangen, Skorpionen und Krabbelkäfern zu tun. Blieb ein Löwe geduldig sitzen, während ich meine Malutensilien vor ihm ausbreitete? Sah er mich als Künstler an oder doch eher als Zwischenmahlzeit?

Wie würden sich Nashorn, Nilpferd oder Flamingos verhalten.  Angreifen, zuschnappen, wegfliegen? Und wo bekam ich Malariamücken- oder Löwenspray her? Wie sollte ich mich bewaffnen? Reicht ein Pinsel oder angespitzter Bleistift aus, um Elefantenherden abzuschrecken? Alles Fragen, die mich bei meinen Reisevorbereitungen schwer beschäftigten.

Nun, obwohl wir durch das Löwengebiet zogen, lediglich bewacht von zwei Massaikriegern mit Schwertern, so begegneten wir den großen, wilden Tieren zum Glück nur im sicheren Fahrzeug sitzend. Lediglich nachts hörten wir, nahe unseres Lagers, ab und an Leoparden fauchen, Hyänen bellen, Nilpferde wühlen und Büffel rascheln. Zu dunkel zum Malen. Giraffen, Zebras, Gnus waren hin und wieder auch tagsüber in greifbarer Nähe zu sehen, als wir mit unseren Gepäckeseln durch die Landschaft zogen. Na, vielleicht hatte sich die Raubkatzen nur getarnt.

Ein Expeditionsmaler braucht Zeit zum Verweilen, um sich die Landschaft oder das Objekt der Zeichenbegierde vertraut zu machen, das war vor allem während der Marschpausen, abends nach der Ankunft im Lager oder früh morgens gegeben. Zum Glück gab es auch Tage des Rastens und Ruhens, an denen ich malen konnte. Zum Beispiel am heiligen Berg der Massai, dem aktiven Vulkan Ol Doinyo Lengai und am Natronsee, in der weiten Ebene nördlich der Oldupaischlucht und in der Serengeti.

Alles in allem kam eine reiche Anzahl an Skizzen, Aquarellen, Fotos und Notizen zusammen, die nun den Film ergänzen können.

 

Näheres zu Carsten Westphal unter: www.carsten-westphal.de